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Keine andere Krankheit löst schon beim Gedanken daran so viel Unbehagen aus: Krebs wird von den meisten Menschen mit Leiden und Sterben assoziiert. Die Bedrohung wird dadurch verstärkt, dass die Krankheit meist lange keine Symptome verursacht und oft aus heiterem Himmel auftritt. Trotz Verbesserungen der Früherkennung kann Krebs meist nicht wirklich früh entdeckt werden. Die vorhandenen bildgebenden Verfahren sind noch nicht genau genug, absolut zuverlässige Bluttests gibt es nicht.

Jeder dritte bis vierte Mensch ist heute im Lauf seines Lebens davon betroffen und es werden immer mehr. Schon allein durch den Umstand, dass Krebs mit steigendem Alter häufiger auftritt und Menschen heute älter werden als früher, steigt die Anzahl der Betroffenen. Unter den Todesursachen liegt Krebs inzwischen insgesamt an zweiter Stelle und hat in bestimmten Altersgruppen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache bereits abgelöst.

Umso unverständlicher ist es, dass Krebs noch immer ein Tabuthema ist. Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass sie ausgegrenzt werden oder zumindest nicht ungezwungen über ihre Krankheit sprechen können. Obwohl Krebs keine ansteckende Krankheit ist, werden Betroffene doch oft so behandelt, als wäre sie es.

Krebs hat aber auch etwas von seinem Schrecken verloren. War Krebs bis vor 30 Jahren oft eine akute Erkrankung, die rasch zum Tod führte, so ist daraus heute nicht selten eine chronische Krankheit geworden, mit der es sich auch lange leben lässt. In etwa der Hälfte der Fälle ist sogar eine Heilung möglich. Dadurch nimmt die Bedeutung von Rehabilitationsmaßnahmen zu. Nach Abschluss der Therapie gilt es körperlich und psychisch wieder fit zu werden und manche müssen nach Operationen mit zum Teil beträchtlichen Einschränkungen leben lernen. In den letzten 20 Jahren haben sich durch verbesserte Früherkennungs- und Behandlungsmethoden bei einigen Krebsarten, z. B. Lymphomen (Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome), Leukämien und Hodentumoren, die Heilungsraten deutlich verbessert, aber auch bei Brustkrebs und Darmkrebs sind die Heilungsraten etwas besser und die Überlebensraten merklich besser geworden. Bezogen auf alle Krebsarten und -stadien werden heute über 50 Prozent aller Krebserkrankungen geheilt.

Krebszellen entstehen auch beim gesunden Menschen dauernd. Üblicherweise sterben sie von selbst ab oder werden vom Abwehrsystem unschädlich gemacht. Dabei spielt der so genannte programmierte Zelltod (Apoptose) - ein Schutzmechanismus, der entartete Zellen zum Selbstmord auffordert - eine zentrale Rolle. Warum es manche Krebszellen schaffen, trotzdem am Leben zu bleiben und sich auch ungestört zu vermehren, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass es nie eine einzige Ursache allein ist, die zu einer Krebserkrankung führt, sondern dass mehrere Faktoren sehr komplex zusammenwirken müssen, um Krebs auszulösen. Die Zellen der verschiedenen Organe im Körper sind auf bestimmte Aufgaben spezialisiert und entwickeln sich beispielsweise zu Gewebezellen, Nervenzellen oder Muskelzellen. In ihrem Erbgut ist das Programm gespeichert, das ihre Funktion, ihre Eigenschaften und ihr Wachstum bestimmt. Ist dieses Programm entgleist, dann entstehen entartete, "bösartige" Zellen, die nicht mehr ganz ausreifen. Sie haben eine Reihe unerwünschter Eigenschaften:

  • Sie halten sich nicht mehr an die konstante Zellzahl im Körper: Normalerweise wächst für jede abgestorbene Zelle genau eine neue nach. Die bösartige Zelle schert sich aber nicht mehr darum und vermehrt sich schnell und hemmungslos.
  • Sie übernehmen ihre Funktion nicht mehr oder nur noch zum Teil. Dabei gibt es unterschiedliche Grade von Funktionstüchtigkeit. Je weniger ausgereift die Zelle ist, desto bösartiger ist sie.
  • Die entstandene Wucherung hält sich nach einer gewissen Zeit nicht mehr an die Organgrenzen, sondern wächst in benachbartes Gewebe ein und schädigt es (infiltratives Wachstum).
  • Der Tumor schafft sich auch sein eigenes Versorgungsnetz: Er lässt Gefäße nachwachsen (Angiogenese) und sorgt so für Energienachschub.
  • Der bösartige Tumor hat die Fähigkeit, Tochtergeschwulste (Metastasen) zu bilden: Krebszellen werden beispielsweise über das Lymphsystem oder die Blutbahnen verschleppt und wachsen woanders zu Geschwulsten an.

    Erste Anzeichen einer Krebserkrankung können eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens, eine verminderte Leistungsfähigkeit (Leistungsknick) oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust sein. Hinzu kommen je nach Lage des Tumors unterschiedliche Symptome, wie z. B. spürbare Knoten unter der Haut, Appetitlosigkeit, Blutarmut oder Fieber, um nur einige zu nennen. Das Heimtückische aber ist, dass diese Symptome nicht zwangsläufig von Anfang an auftreten, sondern dass der Betroffene auch lange keine Symptome haben kann. Das heißt aber auch, dass das Fehlen von Symptomen keine Garantie sein kann, dass keine Erkrankung vorliegt. Verständlich also, dass versucht wird, Früherkennungsmethoden zu entwickeln, die zuverlässig angeben können, wer betroffen ist und wer nicht.

    Es gibt mittlerweile eine Reihe von Methoden. Die meisten sind aber nicht spezifisch genug und liefern dadurch auch falsch-negative Ergebnisse (der Test ergibt keinen Krebsbefund, obwohl ein Tumor vorliegt) oder falsch-positive Ergebnisse (der Test zeigt einen Krebsbefund an, obwohl kein Tumor vorliegt). Das heißt, dass man sich auch mit einem negativen Testergebnis nicht völlig in Sicherheit wiegen kann. Die Möglichkeiten, Krebs frühzeitig zu erkennen, sind - je nach Tumorart - sehr verschieden. Schließlich muss der Tumor bereits einige Millimeter Durchmesser erreicht haben, um mit den heute zur Verfügung stehenden bildgebenden Diagnosemethoden (z. B. Röntgenuntersuchung, Magnetresonanz-Tomographie, Computertomographie, Szintigraphie, Ultraschalluntersuchung) entdeckt zu werden. Durch eine breitere Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen könnte die Krebssterblichkeit weiter gesenkt werden. Hier haben insbesondere Männer Nachholbedarf.

    Quelle: GesundheitPro.de / 2007
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