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Acetylsalicylsäure kann Gesunden gefährlich werden
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Das Medikament kann Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Risikopatienten verhindern. Es ruft aber auch Blutungen hervor

Acetylsalicylsäure ist nicht nur ein beliebtes Schmerzmittel. Viele Menschen versuchen mit der blutverdünnenden Wirkung des Medikaments Herzkreislauf-Probleme zu verhindern. Mediziner der Universität of Oxford (England) haben nun herausgefunden, dass die Einnahme zwar bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko eines Herzinfarktes und Schlaganfalls reduzieren kann (Sekundärprävention) – bei Gesunden hingegen überwiegen die Vorteile die Risiken, die die Medikation birgt nicht (Primärprävention).

Die Forscher analysierten Daten verschiedener Langzeitstudien mit Acetylsalicylsäure und Vergleichssubstanzen. In den Untersuchungen zur Primärprävention reduzierte die Acetylsalicylsäure das Risiko eines nicht-tödlichen Herzinfarktes um ein Fünftel. Das entspricht den Ergebnissen vorhergegangener Studien. Ausgeglichen wird die Zahl allerdings von einem vergleichbaren Anstieg der Blutungen unter der Langzeitbehandlung mit dem Medikament. 10.000 Menschen ließen sich jeweils ein Jahr lang behandeln. Das Medikament rief jährlich einen zusätzlichen Schlaganfall auf Grund von Blutungen und drei zusätzliche Blutungen im Magen-Darm-Trakt hervor.

In der Sekundärprävention verringerte die Säure ernsthafte Vorfälle wie beispielsweise einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder einen durch Herzkreislauf-Probleme hervorgebrachten Tod um ein Fünftel. Das Risiko eines derartigen Vorfalls ist in der Reihe der Herzkreislauf-Patienten deutlich erhöht. So konnte das Medikament unter 10.000 Menschen dieser Gruppe 150 Vorfälle verhindern. Diese hohe Zahl übertrifft den Prozentsatz der erhöhten Blutungsgefahr bei weitem. Die Zahlen gelten gleichermaßen für Frauen und Männer.

Bisherige Richtlinien legten oft auch Gesunden nahe, Acetylsalicylsäure präventiv einzunehmen – zum Beispiel, wenn sie unter einem erhöhten Koronares Herzrisiko durch gestiegene Cholesterinwerte oder Bluthochdruck litten. Die neue Untersuchung hingegen zeigt dass Menschen, deren Koronares Herzrisiko erhöht ist, auch oft unter einem gesteigerten Blutungsrisiko leiden. In diesem Fall raten Mediziner von dem Einsatz von Acetysalicylsäure ab.

"Die Studien zur Primärprävention liefen alle zu einem Zeitpunkt, an dem die Medikation mit Beispielsweise Statinen noch nicht so üblich war", so Professor Colin Baignet, der Leiter der Studie. Heutzutage wissen Ärzte, dass eine Behandlung mit diesen Medikamenten sinnvoller wäre. "Acetylsalicylsäure bietet Patienten Vorteile, die bereits unter Herzkreislauf-Erkrankungen leiden. Unsere neusten Ergebnisse rechtfertigen allerdings keinen unbedachten breiten Einsatz bei gesunden Menschen."

Sophie Kelm / The Lancet / GesundheitPro; 02.06.2009




 
 
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