Etwa 300 000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Herzinfarkt. Die Gefahr steigt mit den Lebensjahren. Doch die Krankheit trifft stets auch einige Jüngere - vor allem Männer. Etwa 1500 im Alter von 35 bis 39 sind es jährlich. Viele von ihnen haben gerade eine Familie gegründet oder wollten im Job durchstarten. Der Infarkt durchkreuzt alle Pläne, auch die der Angehörigen.
Einer dieser Patienten ist Thomas Platzer. Ihn traf der Herzinfarkt völlig überraschend im Alter von 37 Jahren. Ein Schock auch für seine langjährige Lebensgefährtin Silke Vogel. Sie leidet mit ihm und steht fest an seiner Seite. Während Platzer in der Rehaklinik lernt, seine Gewohnheiten zu verändern, sorgt die junge Frau dafür, dass das Leben daheim weitergeht. Schließlich muss auch die Tochter Lara mit der ungewohnten Situation erst einmal klarkommen.
Die folgende Geschichte erzählt das Schicksal des Paares aus zwei Perspektiven: aus seiner und aus ihrer Sicht.
Seine Sicht: Erst mal abwarten
Ein leichter Schmerz in der linken Schulter. Nichts Ernstes, denkt Thomas Platzer. Er sitzt mit Tochter Lara und seiner Lebensgefährtin Silke beim Abendessen, als er das Ziehen bemerkt. Der Metallbauer hat seit sechs Uhr früh hart gearbeitet und vor dem Essen noch mit Lara im Garten herumgetobt.
"Sicher eine Zerrung", denkt der Linkshänder. Doch der Schmerz wird stetig stärker. Arm, Schulter, Brustkorb - alles brennt und tut weh. Lara schläft bereits, als Platzer eine Ärztin anruft. Am Telefon fragt sie ihn nach dem Alter. "Wahrscheinlich ein eingeklemmter Nerv", vermutet sie angesichts seiner 37 Jahre und der geschilderten Symptome. Doch eine Stunde später krümmt sich Platzer vor Schmerzen. Da bleibt nur eins: ab ins Krankenhaus - und zwar schnell
Ihre Sicht: Es darf nicht sein
Silke Vogel holt die dreijährige Lara vorsichtig aus dem Bett und schnallt das schlaftrunkene Mädchen in den Kindersitz. Dann drückt sie aufs Gas. "Geht's noch, geht's noch?", fragt sie Thomas auf der Fahrt immer wieder. Er bekommt keine Luft mehr, keucht. Der Weg erscheint ihr unendlich lang.
"Aber an einen Herzinfarkt habe ich keine Sekunde gedacht", sagt die 33-Jährige. Doch genau das ist die Diagnose, die ihr die Ärzte kurze Zeit später mitteilen.
Die Mediziner ordnen Thomas sofortige Überweisung in die Kardiologie des Kreiskrankenhauses an. Dort wollen sie ihm mit einem Katheter eine Gefäßstütze - einen Stent - einsetzen, der die zuvor verschlossene Herzarterie offen hält.
Silke Vogel hält alles zunächst noch für einen Irrtum. "Ich habe es nicht glauben können", sagt sie, "weil ich es nicht glauben wollte." Mittlerweile ist es Mitternacht. Lara will nach Hause. Während Thomas Platzer für den Transport vorbereitet wird, bringt Silke die Tochter heim. Lara schläft bereits im Auto ein. Ihre Mutter dagegen findet keine Ruhe. Stunden später klingelt das Telefon: ein Arzt aus dem Krankenhaus. Er sagt, alles sei gut verlaufen, und reicht den Hörer an Thomas weiter. Silke hört seine Stimme, aber sie wechseln nur wenige Worte. Er ist erschöpft, sie auch. Endlich kann sie einschlafen.
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