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Schlaganfall: Neues Medikament gegen Hirnblutungen
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Das Mittel könnte die Überlebenschancen der Patienten erstmals deutlich verbessern.Etwa 15 bis 20 Prozent aller Schlaganfall-Patienten erleiden eine Hirnblutung. Ein platzendes Gefäß löst dabei einen Bluterguss im Hirngewebe aus. Der Druck im Schädel steigt daraufhin an, und Ödeme bilden sich. Auch jüngere Menschen sind dagegen nicht gefeit.

Prominente Beispiele sind die US-Schauspielerin Sharon Stone (47) oder der spanische Prinzessinnen-Gemahl Don Jaime de Marichalar (42). Für viele Betroffene endet eine Hirnblutung tödlich oder mit schweren Behinderungen. Nur jeder fünfte Patient lebt nach der Erkrankung ohne körperliche Einschränkungen weiter.

Gerinnungseiweiß stillt Blutung

Als Auslöser dieser Form des Schlaganfalls kommen Bluthochdruck, Veränderungen der Gefäßwände, Gerinnungsstörungen, Drogenmissbrauch oder Kopfverletzungen in Frage. Sprach-, Gefühls-, Schluck- und Sehstörungen sind häufige Symptome, aber auch Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen kommen vor. Typisch für eine Subarachnoidal- Blutung (siehe unten) sind akut einsetzende Kopf- und Nackenschmerzen nach körperlicher Anstrengung. Bisher konzentrierten die Ärzte sich darauf, den Bluterguss im Gehirn durch operative Eingriffe zu beseitigen. Die eigentliche Blutung konnten sie nicht stoppen.

Doch nun scheint es Hoffnung auf eine Behandlung zu geben, die direkt gegen die Blutung vorgeht. Die medikamentöse Therapie mit einem gentechnisch hergestellten Gerinnungseiweiß - dem so genannten Faktor VII - verringert das Volumen der austretenden Flüssigkeit im Unterschied zur Behandlung mit einem Scheinpräparat (Placebo) im Mittel um 50 Prozent. Das ergab eine Studie, über die das Fachmagazin New England Journal of Medicine berichtete.

»In Bezug auf die Placebo-Gruppe reduzierte sich die Sterblichkeit bei den Patienten, die mit Faktor VII behandelt wurden, um 38 Prozent«, sagt Privatdozent Dr. Thorsten Steiner, Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik in Heidelberg. Er ist Ko-Autor und Koordinator der Untersuchung, an der insgesamt 399 Patienten aus 73 Schlaganfall- Zentren in 20 Ländern teilnahmen. »Es konnte nicht nur die Zahl der Patienten deutlich gesenkt werden, die nach der Hirnblutung starben oder schwere Behinderungen davontrugen«, unterstreicht der Schlaganfall- Experte Dr. Steiner die Besonderheit des Mittels, »sondern es erhöhte sich auch die Zahl der Patienten, die keine oder nur eine leichte Behinderung hatten.«

Das Präparat eigne sich allerdings nicht zur Behandlung von so genannten symptomatischen Hirnblutungen, die zum Beispiel durch Trauma, Medikamente oder Gefäßmissbildungen ausgelöst werden. Und es wirke nur dann, wenn es innerhalb von vier Stunden nach Beginn der Blutung angewendet werde. Bevor das Medikament, das ursprünglich bei Patienten mit der Bluterkrankheit zum Einsatz kam, zugelassen werden kann, müssen die Daten nach Ansicht von Steiner erst noch in einer weiteren Untersuchung bestätigt werden.


Effekte sind »gigantisch«

Dass die bisherigen Studienergebnisse vielversprechend sind, findet auch Privatdozent Dr. Darius Nabavi von der Neurologischen Universitätsklinik Münster. Er ist Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall- Hilfe: »Die Effekte sind gigantisch«, sagt er. »Gemäß der bisherigen Datenlage übersteigt die Wirkung von Faktor VII bei einer Hirnblutung den Effekt einer Thrombolyse (siehe unten, die Red.) bei der Behandlung eines Hirninfarkts. Der Wirkstoff reduziert auch die Sterblichkeit, was für die Lyse bisher nicht nachgewiesen werden konnte.«

Wenn das Präparat die Zulassung erhält, sollte es nach Meinung des Experten so schnell wie möglich den Patienten zur Verfügung gestellt werden. »Ungeklärt ist wie bei allen innovativen Medikamenten die Finanzierung im Krankenhaus, da die Kalkulation der Fallgruppen neue Medikamente erst verzögert berücksichtigt. Denkbar ist eine Finanzierung über die so genannten Zusatzentgelte, die jedes Jahr in einem Katalog neu festgelegt werden«, schlägt Nabavi vor.


So entsteht ein Schlaganfall

Ursache für einen Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. Entweder verstopfen dabei Blutgefäße, und das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt (Hirninfarkt), oder sie platzen (Hirnblutung). Beides schädigt das Gewebe und lässt die Zellen absterben, so dass wichtige Funktionen des Organs schlagartig ausfallen.

Hirninfarkt: Etwa 80 bis 85 Prozent der Schlaganfälle sind durch eine Mangeldurchblutung der Gefäße bedingt, meist als Folge von krankhaften Gefäßveränderungen (Arteriosklerose). Der akute Auslöser ist zum Beispiel ein verschlepptes Blutgerinnsel (Embolie) oder ein Gefäßverschluss Thrombolyse mit Medikamenten kann Gerinnsel auflösen, die ein Gefäß verstopfen.

Hirnblutung: In etwa 15 Prozent der Fälle wird ein Schlaganfall durch eine Hirnblutung ausgelöst. Aus geplatzten Arterien tritt Blut in das umliegende Gewebe aus und schädigt dieses. Ursache ist häufig Bluthochdruck.

Subarachnoidal-Blutung: Dabei dringt Blut in den Raum zwischen Gehirn und weicher Hirnhaut ein; zwei bis fünf Prozent der Schlaganfälle gehen darauf zurück.


Weitere Informationen:

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe,
Carl-Bertelsmann-Str. 256
33311 Gütersloh
Service- und Beratungszentrum, Telefon: 01805/093093
(0,12 Euro pro Minute).
Internet: www.schlaganfall-hilfe.de

Quelle: Apotheken Umschau
Juli/August 2005



 
 
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