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Blutegeltherapie
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Alte Medizin neu entdeckt

In der Volksmedizin hatte der saugende Wurm schon immer einen guten Ruf. Seit die Substanzen, die ein Blutegel seinem »Opfer« verabreicht, genau untersucht sind, attestiert ihm auch die moderne Wissenschaft heilende Wirkung.

Moderne Unfallchirurgie und Blutegel – das scheint nicht zusammenzupassen. Ärzte der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Berliner Virchow-Klinikum sind da anderer Meinung. Wenn beispielsweise nach dem Wiederannähen abgetrennter Gliedmaßen der Rückfluss von Blut und Lymphe nicht richtig klappt und die betroffene Region so stark anschwillt, dass das Gewebe abzusterben droht, holen sie sich Hilfe bei den kleinen Blutsaugern. Die saugen nämlich nicht nur gestautes Blut ab; in ihrem Speichel steckt auch ein heilsamer Wirkstoffcocktail: Er hemmt die Blutgerinnung und lässt das Blut dünnflüssiger werden.


Kleine Blutsauger im Dienst der modernen Medizin

Genau diese Fähigkeit ist es auch, die den Schmarotzer für die moderne Pharmaindustrie so interessant macht. In früheren Jahrhunderten galten Blutegel nahezu als Allheilmittel. Bis ins 19. Jahrhundert erfreuten sie sich großer Beliebtheit, unter anderem bei der Behandlung von Hämorrhoiden und Furunkeln, bei Blutergüssen, Rheuma, Wechseljahrs- und Menstruationsbeschwerden. Die Liste ließe sich nahezu endlos verlängern. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verpassten die Fortschritte in der Medizin den so beliebten Ausleitungsverfahren, zu denen die Blutegeltherapie zählte, aber zunächst einmal eine etwa 100-jährige Zwangspause. Dass ein saugender Blutegel mehr bewirkt als ein simpler Aderlass und so manch heilsame Wirkung durchaus nicht mittelalterlichem Aberglauben zuzuschreiben ist, stellte die Wissenschaft Mitte des 20. Jahrhunderts fest: Sie isolierte aus dem Egelspeichel den Wirkstoff Hirudin, eine Substanz, die die Blutgerinnung hemmt und das Blut verflüssigt. Perfekt war das Comeback, als die Blutegeltherapie 1975 half, das abgerissene Ohr eines kleinen Jungen wieder anwachsen zu lassen. Pharmazeuten und Chemiker entschlüsselten nach und nach, was alles in dem Wirkstoffcocktail steckt. Neben dem Hirudin beispielsweise auch die erst 1977 entdeckte entzündungshemmende Substanz Eglin. Mitte der 80er Jahre hatte die Blutegeltherapie ihren festen Platz in der Medizin zurückerobert.


Nicht gerade eine Schönheit, aber sanft und schonend

Naturheilkundige Ärzte und Heilpraktiker setzen Blutegel unter anderem bei entzündlichen Venenerkrankungen ein, bei degenerativen und entzündlichen Gelenkerkrankungen, Gürtelrose und sogar Angina pectoris. Auf die betroffenen Hautstellen werden bis zu zwölf Egel gelegt, die sich dann festsaugen. Ihr Biss ist kaum zu spüren. Der Patient empfindet in aller Regel nur ein leichtes Ziehen, möglicherweise anschließend ein leichtes Jucken, weil der Egel zunächst eine histaminähnliche Substanz ins Gewebe abgibt. Sie erweitert die Gefäße und bewirkt, dass das betroffene Gebiet gut mit Blut versorgt wird. Erst danach gelangen die anderen gerinnungs- und entzündungshemmenden Wirkstoffe ins Naturheilkundige Ärzte und Heilpraktiker setzen Blutegel unter anderem bei entzündlichen Venenerkrankungen ein, bei degenerativen und entzündlichen Gelenkerkrankungen, Gürtelrose und sogar Angina pectoris. Auf die betroffenen Hautstellen werden bis zu zwölf Egel gelegt, die sich dann festsaugen. Ihr Biss ist kaum zu spüren. Der Patient empfindet in aller Regel nur ein leichtes Ziehen, möglicherweise anschließend ein leichtes Jucken, weil der Egel zunächst eine histaminähnliche Substanz ins Gewebe abgibt. Sie erweitert die Gefäße und bewirkt, dass das betroffene Gebiet gut mit Blut versorgt wird. Erst danach gelangen die anderen gerinnungs- und entzündungshemmenden Wirkstoffe ins Blut. Ein Egel saugt etwa acht bis zehn Milliliter Blut und fällt nach rund 30 bis 90 Minuten von selbst ab. Die kleinen Wunden versorgt der Therapeut anschließend mit einem Verband. Sie bluten noch maximal 24 Stunden nach. Der Patient verliert dabei pro angesetztem Egel weitere rund 25 bis 40 Milliliter Blut.


Es geht auch ohne Wurm

So schonend und sanft die Blutegeltherapie ist – viele ekeln sich davor, und nicht jeder kann sich dazu durchringen, den Hirudo medicinalis, wie der medizinische Blutegel in der Fachsprache heißt, an sich saugen zu lassen. Das muss gar nicht sein. Denn die heilkräftigen Wirkstoffe Hirudin und Eglin stehen auch als Fertigarzneien in Gel- oder Salbenform zur Verfügung. Weil Hirudin die Haut leicht durchdringen kann, eignet es sich gut zur äußerlichen Anwendung per Salbe oder Gel.


Für wen sich die Therapie mit Blutegeln nicht eignet

Blutegel anzusetzen könnte Patienten mit folgenden Erkrankungen schaden und gefährlich werden. Die Therapie ist nicht geeignet bei:

  • Erkrankungen, bei denen die Blutgerinnung gehemmt ist, wie z.B. bei Hämophilie
  • Anämie (Blutarmut)
  • akutes Magengeschwür
  • Wundheilungsstörungen
  • Auch kurz vor oder während der Menstruation sollten Frauen auf eine Behandlung mit Blutegeln besser verzichten.



Quelle:
Apotheken Umschau / 17.09.2001
GesundheitPro.de / 08.06.2006





 

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