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Wenn Heuschnupfen Gesellschaft bekommt
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Viele Pollen-Allergiker haben zusätzlich Beschwerden beim Genuss bestimmter Nahrungsmittel. Wie solche Kreuzallergien entstehen, und welche Kombinationen besonders problematisch sind.


Allergien breiten sich seit Jahren so vehement aus, dass manche Ärzte sie schon als „Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts“ einstufen. In Deutschland reagieren etwa 15 bis 20 Prozent der Erwachsenen und ein Drittel aller Schulkinder allergisch auf Substanzen, die natürliche Bestandteile unserer Umwelt sind: Nahrungsmittel wie Milch, Äpfel, Mohrrüben und Erbsen, dazu Pollen und Hausstaubmilbenkot – die Liste ließe sich seitenfüllend fortsetzen. Die Ursachen dieser Allergien sind noch unklar. Manche Forscher vermuten, das körpereigene Abwehrsystem Betroffener sei – erblich bedingt – von der Belastung durch eine Vielzahl von Schadstoffen überfordert und neige deshalb zu Fehlreaktionen. An sich harmlose Substanzen wie Pollen verkennt es plötzlich als gefährliche Eindringlinge und produziert gegen sie massenhaft maßgeschneiderte Antikörper. Mediziner nennen den Vorgang „Sensibilisierung“.

Allergene. Diese Antikörper richten sich nicht gegen den Fremdstoff insgesamt, sondern nur gegen bestimmte Eiweißstrukturen – „Allergene“ – auf dessen Oberfläche. Dabei gilt das Schlüssel-Schloss-Prinzip: Antikörper und jeweiliges Allergen passen exakt zusammen. Die während der Sensibilisierung produzierten Antikörper heften sich an spezielle, im Gewebe patrouillierende Abwehrzellen, die Mastzellen. So nimmt das Unheil seinen Lauf: Um den vermeintlichen „Feind“ zu vernichten, docken die Antikörper an ihrem Allergen an, und in ihrem Schlepptau schütten die Mastzellen sofort verschiedene Botenstoffe und vor allem das Gewebshormon Histamin aus. Dieses setzt eine Entzündungsreaktion in Gang, die im Kampf gegen Krankheitserreger nützlich, hier aber überflüssig ist. Im Fall der Pollenallergie bewirkt es typische Heuschnupfensymptome: juckende, tränende Augen, Niesreiz und laufende Nase, verschleimte Bronchien.

Ähnliche Beschwerden. Als ob dies noch nicht genug wäre, treten bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen ähnliche Beschwerden plötzlich auch beim Genuss bestimmter Nahrungsmittel auf: Es brennt und juckt im Mund, die Schleimhaut schwillt an, manchen plagen zusätzlich Magenbeschwerden oder Durchfall. Diese Reaktion erklärten Mediziner anfänglich mit folgender Annahme: Wer einmal eine Allergie entwickelt habe, neige dazu, nach und nach auf immer mehr Substanzen überempfindlich zu reagieren. Heute wissen Experten, dass es sich in den meisten Fällen nicht um eine neue, sondern um eine „Kreuzallergie“ handelt, auch pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie genannt. Die Pollen vieler Pflanzenarten tragen Allergene, deren Eiweißstruktur sehr ähnlich oder identisch ist – und die sich oft auch in den Früchten der botanischen Verwandtschaft findet. Wenn etwa bereits vorhandene Antikörper gegen Birkenpollen auch bei Äpfeln „passen“, löst der Genuss der Früchte bei entsprechender Allergie ebenso Beschwerden aus wie die Pollen selbst. Den Übeltäter hinter den allergischen Beschwerden zu identifizieren bereitet zumindest Allergologen meist kein großes Problem. Sie verfügen über viele Allergietests bis hin zum direkten Nachweis der verantwortlichen Antikörper.

Medikamente. Betroffene können den lästigen Symptomen entgehen, wenn sie den Auslöser möglichst meiden. Bei pollenassoziierten Nahrungsmittel-Allergien kann dies teilweise auch gelingen. Vor den zur jeweiligen Blühzeit überall umherschwirrenden Pollen gibt es allerdings kaum ein Entrinnen. Akute Beschwerden mindern so genannte Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin (zum Einnehmen) sowie Azelastin oder Levocabastin (zur örtlichen Anwendung). Vorbeugend wirken Mastzell-Stabilisatoren zur örtlichen Anwendung wie Nedocromil oder Cromoglicinsäure: Sie verhindern, dass die Mastzellen Histamin freisetzen. In schweren Fällen verordnen Ärzte auch Kortisonpräparate (Kortikoide), die als stärkste Entzündungshemmer gelten.

Hyposensibilisierung. Eine andere Therapie verspricht zwar keine schnelle Hilfe, packt aber das Übel an der Wurzel: die Hyposensibilisierung. Bei ihr spritzt der Arzt dem Patienten „sein“ Allergen bis zu drei Jahre lang in zunehmend größerer Menge regelmäßig unter die Haut. Dies lässt das Abwehrsystem allmählich „abstumpfen“. Bei gut 70 Prozent der Patienten mit Pollen-, Hausstaub-, Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergien lassen die Beschwerden deutlich nach oder verschwinden ganz.

Gesundheit Gesundheit; 05.05.2003 + 2006



 
 
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